MAKE YOUR OWN LIFE
Ursula Maria Probst/Katalogtext 2011
(english version see below)
Bella
Angoras performative, multimediale Projekte „soft, slow & sweaty“
(2010) „stAR.T-performance.art.star.casting.show“(2008) oder „I refuse
to battle“ (2008) führen unterschiedliche Aspekte ihres künstlerischen
Oeuvres zusammen: Das Arbeiten in Video, Performance, Zeichnung,
Objekt, Text, Sprache, Musik, Sound und Gesang.
Als
Protagonistin von Performance-Strategien, deren Ausgangspunkt
einerseits die eigene Textproduktion und andererseits offene
performative Modelle bilden, durchbricht Bella Angora die Totalität
eines ästhetischen Werks. In ihren Performances und Settings geht Bella
Angora virulenten Themen in der Soziologie des Kunstfeldes und dessen
Wettbewerbsstrukturen nach, erarbeitet Konzepte über künstlerische
Praktiken, Arbeitsmethoden und stellt Überlegungen zu Identität und
Autorschaft an und wie diese in das performative Agieren als Künstlerin
einfließen.
In der Setzung ihres künstlerischen Alter Egos
Bella Angora stellt sie dem „idealen Körper“ und der charismatischen
Aura künstlerischer Existenz den „subversiven Körper“ des performativen
Akts gegenüber.
In der Wahl der absurden Begriffskombination
Bella Angora als Pseudonym greift sie mit politischer Ironie den nach
wie vor im Kunstfeld kursierenden Schönheitsbegriff auf. Selbst die
Ikone feministischer Kunst Louise Bourgeois bemerkte einst sarkastisch,
dass es für eine Künstlerin von Vorteil ist, schön zu sein, um die
Coverseiten der Kunstmagazine zu zieren.
Der gesungene, wie
gesprochene Text spielt in den Performances von Bella Angora eine
wichtige Rolle. Bella Angora ist selbst die Autorin der Texte für deren
performative Übersetzung sie verschiedene Methoden der Inszenierung und
Aufführung durch den Sprechakt, der Gesangsperformance, Einspielungen
von Aufnahmen mit Soundeffekten oder Computerscreens mit Textpassagen
anwendet. Unterschieden werden können dabei Texttypen wie Skripts,
Instruktionen, Fragestellungen gegenüber den MitakteurInnen und
Songtexte. Das Schreiben ihrer Texte verbindet Bella Angora
einerseits direkt mit ihren künstlerischen Performances, andererseits
funktionieren die Texte und Soundkompositionen ihrer Songs autonom.
Kritische Regungen gegenüber Geschlechterkonstruktionen im
Kunstbetrieb, genderpolitisches Aufbegehren und die Hinterfragung
hoch in Konjunktur stehender Liebes- und Beziehungskompetenzen werden
in lyrischen Songtexten reflektiert. In der Performance als
ästhetisches Prinzip entwickelt der Gesang wiederum eine eigene Logik
durch seinen Rhythmus als musikalischer Text. Den performativen Akt
setzt Bella Angora als emanzipatorische Handlung, als feministische
Position zur Geschlechterpolitik, als Widerstand gegen die von Medien
der Populärkultur und Werbung produzierten gesellschaftlichen
Normvorstellungen.
Das Engagement beschränkt sich allerdings
nicht nur auf den Akt der Performance. Wie die
Performance-Theoretikerin Barbara Clausen in ihrer Publikation „After
the Act. Die (Re)Präsentation der Performancekunst“ (2006) ausführt,
funktioniert Performancekunst nicht als authentisches Erleben, sondern
besteht im fortlaufenden Prozess durch ein Wechselverhältnis zwischen
Ereignis, Medialisierung und Rezeption. In dem Video zu „soft, slow
& sweaty“ (2010) ist zu sehen wie Bella Angora die Methode von
geskripteten Performanceabläufen hier nochmals auf der Metaebene des
Subtextes aufgreift. In der Übertragung auf das Videoformat wiederum
kommt es zu einem Akt des Transkribierens eines Live-Events, der durch
die zusätzliche Montage von Bildmaterial, Überblendungen und
experimentelle Schnitttechniken nun als Artefakt funktioniert und sich
dadurch von einer Dokumentation unterscheidet. Die Performancekunst
erfährt hier jene zuvor angesprochene Medialisierung.
Als
mixed-media Performance basiert „soft slow and sweaty“ auf der
Erzählstruktur von Märchen. Das Märchen und dessen archetypischen
HeldInnen als Synonyme für die Moral oder Amoral kultureller
Übertragungen werden von Bella Angora einer Dekonstruktion unterzogen.
Der Kunst wird durch die populäre Kultur der Rang abgelaufen, Mythen zu
schöpfen. Bella Angora hingegen performt als weiße Prinzessin im
Ballerinalook, deren weiße Visage durch eine Maske bedeckt ist. Die
performative Darstellungsform der Maskerade wählt sie, um Szenarien im
Kampf um eine selbstbestimmte Existenz im Hier und Jetzt auf einer
fiktionalisierten, bildlichen Ebene als psychische Konflikte durch eine
entsprechende Dramaturgie zur Darstellung zu bringen.
Zu
Beginn ist das Ziffernblatt des Londoner Big Ben eingeblendet, das
Ticken der Uhr und das Läuten des Weckers konfrontiert uns damit, die
Zeit läuft, nicht bloß die der Performance, sondern die Lebenszeit.
Bella Angora schreckt aus dem Schlaf hoch und wird von zwei Lakaien in
weißen Perücken angekleidet, die Rückansicht des einen zeigt ein P als
Symbol für „past“, der andere trägt ein F für „future“ - sie verkörpern
Vergangenheit und Zukunft.
Dazu eingespielt werden
Soundeffekte mit Textphrasen wie „neither in the past, nor in the
future“ oder „Let me be, let me be in the moment“ und zeugen von einer
poetischen Logik. In der performativen Installation von „soft, slow and
sweaty (once upon a time)“ (2010) wird durch das Einziehen einer Wand
klar die Grenze des Territoriums zwischen Publikum und Performance
markiert. Der Live-Akt ist durch Gucklöcher für das Publikum zugänglich
und spielt mit visuellen Effekten und Voyeurismen. Bella Angora
thematisiert damit den zunehmenden Hang zum Imaginativen und Affektiven
in unserer Medienkultur.
Als Künstlerin betreibt Bella Angora
Analysen gegenüber unserer auf Effektivität ausgerichteten
Gesellschaftsstrukturen, sowie gegenüber den psychischen Konsequenzen
unserer realen und virtuellen Getriebenheit durch Zeit und Raum. Die
Performance gestaltet sich zu einer Art verkörperten Diskurs, durch den
das Private für eine Verwandlung als (Gegen-)Öffentlichkeit verfügbar
gemacht wird. Wie es die Autorin Marlene Streeruwitz unlängst pointiert
formulierte, bedeutet Freiheit vor allem harte Arbeit.
Eine
Ästhetik minimalistischer Installationskonzepte dringt in die
reduzierte Gestaltung des Settings im puristischen Weiß, eine Schaukel
und zwei Sofas bilden das Interieur. Bella Angora reaktiviert hier eine
Art von Salonkultur, eingesponnen in Projektionen, die unter anderem
diverse Glücksverheißungen stimulierende Bilder von Küssenden aus der
Medien- und Werbebranche oder Aufnahmen von dem Himmel entgegen
schaukelnden Kindern zeigen. Das Rampenlicht in dem Bella Angora auf
der Schaukel zwischen „Vergangenheit“ und „Zukunft“ hin und her
schwingt, bildet psychedelische Lichteffekte einer auf- oder
untergehende Sonne. Die gegen die Wand projizierten Bildmedien schaffen
als Bühnenbild eine „Mise en scènce“ Situation, die wiederum in der
Performance durch konkrete Gesten von Bella Angora durchbrochen wird.
In die Choreographie der Performance „soft, slow & sweaty“
von Bella Angora fließen auch Backstage-Szenen ein, die demaskierte
Künstlerin rezitiert das Skript und gerät in einen Redefluss, der sich
zu einem Stimmengewirr auftürmt.
In der performativen Praxis von
Bella Angora sind visuelle, auditive und räumliche Parameter eng
aufeinander bezogen. Mit elektronischer Populärmusik als Hort
emotionaler Befindlichkeiten und Freiheitsversprechen tritt Bella
Angora in einen intellektuellen Schlagabtausch. Die Lyrik ihrer Songs
transportiert keine leichte Prosa, sondern läuft in der Wortwahl immer
auf eine existentielle Pointe zu.
Gegenüber dem Ephemeren der
Performance entwickelt Bella Angora durch ihre Songs eine Konstante,
bezieht in ihre Kompositionen unterschiedliche Musikgenres von Pop,
Funk über Gothik bis Electro Clash und experimentiert mit
Schlagermelodien: „Träume, Wünsche und Visionen mutieren ungefragt zu
Illusionen“. Gegenüber einer melodiösen Behaglichkeit des Sounds werden
in den Texten scharfe, riskante Konturen mit politischem Savoir Vivre
gezeichnet.
In ihren Performances präzisiert Bella Angora wie
Emotion und Gefühl durch spezielle Techniken produziert werden. Nicht
nur inhaltlich, sondern durch ihren Umgang mit verschiedenen Medien.
Dissidentes Denken, Querverweise auf theoretische Quellen, die
Verknüpfung mit Liedern, die legendäre Songs der sexuellen
Befreiung wie „J’taime“ von Serge Gainsbourg/Jane Birkin mit
lyrischen Texten zur Befreiung des Selbst vom Zwang der romantischen
Vorstellung von Zweisamkeit transformieren, bewirken eine enorme
Verdichtung. Vieles was an Bella Angoras Texten konzeptuell durchdacht
ist, verdankt sich ihrer überzeugenden Einverleibung von Details über
kulturelle Mechanismen unserer emotionalen Erfahrungen, die sie
dekonstruiert und rekapituliert.
In der
Wissenschaftszeitschrift „Psychology of Aesthetics, Creativity and the
Arts“ haben die US-Forscher C. Nathan DeWall, Richard Pond Jr., Keith
Campbell und Jean Twenge von der Universität Kentucky eine Studie
darüber veröffentlicht, wie sich die Texte von Popsongs zwischen 1980
und 2007 inhaltlich veränderten. Die Ergebnisse von „Tuning in to
psychological change: Linguistic markers of psychological traits and
emotions over time in popular U.S. song lyrics“ sind ernüchternd,
allerdings wenig überraschend. In den Texten gibt es jetzt zwar mehr
Wörter, doch fokussieren sich die Inhalte um das Ich und die eigenen
Gefühle, wohingegen soziales Verhalten aufgreifende Lyrics zunehmend in
den Hintergrund rückten. Die Forscher fassten zusammen: „Die Ergebnisse
zeigen, dass es notwendig wäre, sich näher mit der Frage zu
beschäftigen, inwiefern Kulturprodukte soziokultureller Umfelder dabei
helfen können, den kulturellen Wandel in psychologischen Prozessen zu
verstehen.“
Es gibt Künstler, die ganze Generationen
inspirieren und diese maßgeblichen Künstler sind nicht immer die in der
Welt der Museen und Messen am meisten vertretenen, erklärte Daniel
Birnbaum, nachdem er zum Kurator der Venedig Biennale 2009 berufen
wurde. Der Künstler oder die Künstlerin als Outsider, Hipster,
Spontangeist, Genealoge, Diskursintensivierer oder Diskursverweigerer?
Der Kunstbetrieb profitiert noch immer von dem Image selbst bestimmt
agierender Personen.
In ihren Projekten „stAR.T“ (2008) oder
„I refuse to battle“ (2008) hinterfragt Bella Angora kritisch, wie der
Künstler oder die Künstlerin Gefahr läuft selbst von der Populärkultur
dadurch, dass Erfolg und Wettkampf zählen, konsumiert zu werden.
Bella
Angora greift brisante Themen des Kunstbetriebs auf: Rivalität,
Powerplay, Konkurrenz, notorische Rankings,
Narzissmus, Egoismus.
„I refuse to battle“ kann laut
Bella Angora ebenso betrachtet werden als ein Statement gegenüber
Machtkämpfen, Kompromisslösungen, als ein Herausfiltern der eigenen
Essenz in der Konfrontation mit dem anderen: Angst zu versagen,
Leistungsdruck, Selbstüberschätzung, Existenzangst und damit in
Zusammenhang stehende Befindlichkeiten. Bella Angora führt so einen
politischen Diskurs über eindimensionale Zuschreibungen von Gefühlen
wie Neid, Gier, Hass, Liebe, Angst. Insofern gestaltet sich „I refuse
to battle“ als Konzept zu einem Selbstversuch, um Muster zu
durchbrechen, sich als Künstlerin gerade durch die radikale
Thematisierung des Wettbewerbgedankens zu positionieren.
Das
Projekt „stAR.T“ (2008) dekonstruiert in der Wahl der ästhetischen
Codes die Medienrealtiät von Casting-Shows. Gegenüber der
Attributierung von Star-Qualitäten, setzt Bella Angora absurde
Statements der beteiligten KanditatInnen, exzentrische Verhaltensweisen
und Lebensstile. In ihre Castingshow baut sie visuelle und akustische
Effekte oder Zwischeneinspielungen eines orgiastischen Wettstöhnens
ein. Im Voting tritt keine Jury an, sondern Bella Angora, die wie in
der Arena der Gladiatoren den Daumen nach unten drückt.
Damit
nahm Bella Angora in ihrer Performance vorweg, was 2009 bereits
Realität werden sollte, nämlich den Einzug von Casting Shows in den
Kunstbetrieb. Gleichzeitig existiert gerade im Betriebssystem Kunst die
Gefahr zur Tabuisierung jeglicher Wertung. Alles das was künstlerisch
oder argumentativ als Differenz, Widerspruch, Konflikt oder Scheitern,
also irgendwie negativ wirken könnte, läuft Gefahr harmonisiert,
nivelliert, ignoriert oder gar diskriminiert zu werden.
Der
britische Sammler und Künsthändler Charles Saatchi wollte mit einer
TV-Show nach dem Modell von Casting Shows den neuen britischen
Superkünstler entdecken. Die Talentshow lief im Herbst 2009 im
Fernsehsender BBC 2 l. Unter dem Slogan „Scaatchi’s Best of British“
konnten sich KünstlerInnen ab 18 Jahre beteiligen. Die sechs besten
sollten in der Endrunde in einen Intensivkunst-Crashkurs treten. Als
Gewinn lockte die Teilnahme an einer Saatchi-Ausstellung in St.
Petersburg. Gegenüber den britischen Medien argumentierte Saatchi:
„Jede(r) mit einem neuen kreativen Ansatz soll teilnehmen. Denn niemand
kann wissen, wo der nächste Kunststar auftaucht“. Die Argumentation des
Produzenten Peter Date hingegen lief darauf hinaus, dass man so
zeitgenössische Kunst fordern und einen Blick hinter die Kulissen wagen
wollte. Das von den Medien erstellte Profil von Saatchi als
Förderer und Spürnase wird von der Kunstkritik als zu kommerziell
ausgerichtet kritisiert. In den Feuilletons heiß angekündigt, wurde
über den Verlauf nicht weiter detailliert berichtet. Auch den
Absurditätsfaktor einer solchen Castingshow hat Bella Angora bereits
vorweggenommen.
In die Performances von Bella Angora fließt
das Begehren ein, relevante Fragestellungen zur eigenen Haltung
gegenüber dem Kunstsystem und dem Lebensstil zu artikulieren. Autonomie
und alternative Handlungsmodelle, künstlerische Haltungen wie
„Skepsis“, „Produktionsverzögerung“ oder „Scheitern“ werden zu Themen.
Komplexe und widerständige Praktiken koppelt Bella Angora an eine
Kunstpraxis, der eine Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit zugesprochen
werden kann, die mit dem Versprechen von Authentizität einhergehen.
Paradoxerweise
ist es gerade auch dieses Authentizitätsmoment, dass im Zentrum eines
Marktbegehrens steht. Das Kunstsystem verlangt mittlerweile nach
alternativen Produktionsmodellen. Den Entzug und Rückzug von Regeln,
die das Betriebssystem Kunst vorgibt hat Susan Sontag in „The
Aesthetics of Silence, Styles of Radical Will“ (2002) als Folge
eines radikalen Willens thematisiert.
Bella Angoras
performative, multimediale Projekte „soft, slow & sweaty“ (2010)
„stAR.T-performance.art.star.casting.show“(2008) oder „I refuse to
battle“ (2008) führen unterschiedliche Aspekte ihres künstlerischen
Oeuvres zusammen: Das Arbeiten in Video, Performance, Zeichnung,
Objekt, Text, Sprache, Musik, Sound und Gesang.
Als
Protagonistin von Performance-Strategien, deren Ausgangspunkt
einerseits die eigene Textproduktion und andererseits offene
performative Modelle bilden, durchbricht Bella Angora die Totalität
eines ästhetischen Werks. In ihren Performances und Settings geht Bella
Angora virulenten Themen in der Soziologie des Kunstfeldes und dessen
Wettbewerbsstrukturen nach, erarbeitet Konzepte über künstlerische
Praktiken, Arbeitsmethoden und stellt Überlegungen zu Identität und
Autorschaft an und wie diese in das performative Agieren als Künstlerin
einfließen.
In der Setzung ihres künstlerischen Alter Egos
Bella Angora stellt sie dem „idealen Körper“ und der charismatischen
Aura künstlerischer Existenz den „subversiven Körper“ des performativen
Akts gegenüber.
In der Wahl der absurden Begriffskombination
Bella Angora als Pseudonym greift sie mit politischer Ironie den nach
wie vor im Kunstfeld kursierenden Schönheitsbegriff auf. Selbst die
Ikone feministischer Kunst Louise Bourgeois bemerkte einst sarkastisch,
dass es für eine Künstlerin von Vorteil ist, schön zu sein, um die
Coverseiten der Kunstmagazine zu zieren.
Der gesungene, wie
gesprochene Text spielt in den Performances von Bella Angora eine
wichtige Rolle. Bella Angora ist selbst die Autorin der Texte für deren
performative Übersetzung sie verschiedene Methoden der Inszenierung und
Aufführung durch den Sprechakt, der Gesangsperformance, Einspielungen
von Aufnahmen mit Soundeffekten oder Computerscreens mit Textpassagen
anwendet. Unterschieden werden können dabei Texttypen wie Skripts,
Instruktionen, Fragestellungen gegenüber den MitakteurInnen und
Songtexte. Das Schreiben ihrer Texte verbindet Bella Angora
einerseits direkt mit ihren künstlerischen Performances, andererseits
funktionieren die Texte und Soundkompositionen ihrer Songs autonom.
Kritische Regungen gegenüber Geschlechterkonstruktionen im
Kunstbetrieb, genderpolitisches Aufbegehren und die Hinterfragung
hoch in Konjunktur stehender Liebes- und Beziehungskompetenzen werden
in lyrischen Songtexten reflektiert. In der Performance als
ästhetisches Prinzip entwickelt der Gesang wiederum eine eigene Logik
durch seinen Rhythmus als musikalischer Text. Den performativen Akt
setzt Bella Angora als emanzipatorische Handlung, als feministische
Position zur Geschlechterpolitik, als Widerstand gegen die von Medien
der Populärkultur und Werbung produzierten gesellschaftlichen
Normvorstellungen.
Das Engagement beschränkt sich allerdings
nicht nur auf den Akt der Performance. Wie die
Performance-Theoretikerin Barbara Clausen in ihrer Publikation „After
the Act. Die (Re)Präsentation der Performancekunst“ (2006) ausführt,
funktioniert Performancekunst nicht als authentisches Erleben, sondern
besteht im fortlaufenden Prozess durch ein Wechselverhältnis zwischen
Ereignis, Medialisierung und Rezeption. In dem Video zu „soft, slow
& sweaty“ (2010) ist zu sehen wie Bella Angora die Methode von
geskripteten Performanceabläufen hier nochmals auf der Metaebene des
Subtextes aufgreift. In der Übertragung auf das Videoformat wiederum
kommt es zu einem Akt des Transkribierens eines Live-Events, der durch
die zusätzliche Montage von Bildmaterial, Überblendungen und
experimentelle Schnitttechniken nun als Artefakt funktioniert und sich
dadurch von einer Dokumentation unterscheidet. Die Performancekunst
erfährt hier jene zuvor angesprochene Medialisierung.
Als
mixed-media Performance basiert „soft slow and sweaty“ auf der
Erzählstruktur von Märchen. Das Märchen und dessen archetypischen
HeldInnen als Synonyme für die Moral oder Amoral kultureller
Übertragungen werden von Bella Angora einer Dekonstruktion unterzogen.
Der Kunst wird durch die populäre Kultur der Rang abgelaufen, Mythen zu
schöpfen. Bella Angora hingegen performt als weiße Prinzessin im
Ballerinalook, deren weiße Visage durch eine Maske bedeckt ist. Die
performative Darstellungsform der Maskerade wählt sie, um Szenarien im
Kampf um eine selbstbestimmte Existenz im Hier und Jetzt auf einer
fiktionalisierten, bildlichen Ebene als psychische Konflikte durch eine
entsprechende Dramaturgie zur Darstellung zu bringen.
Zu
Beginn ist das Ziffernblatt des Londoner Big Ben eingeblendet, das
Ticken der Uhr und das Läuten des Weckers konfrontiert uns damit, die
Zeit läuft, nicht bloß die der Performance, sondern die Lebenszeit.
Bella Angora schreckt aus dem Schlaf hoch und wird von zwei Lakaien in
weißen Perücken angekleidet, die Rückansicht des einen zeigt ein P als
Symbol für „past“, der andere trägt ein F für „future“ - sie verkörpern
Vergangenheit und Zukunft.
Dazu eingespielt werden
Soundeffekte mit Textphrasen wie „neither in the past, nor in the
future“ oder „Let me be, let me be in the moment“ und zeugen von einer
poetischen Logik. In der performativen Installation von „soft, slow and
sweaty (once upon a time)“ (2010) wird durch das Einziehen einer Wand
klar die Grenze des Territoriums zwischen Publikum und Performance
markiert. Der Live-Akt ist durch Gucklöcher für das Publikum zugänglich
und spielt mit visuellen Effekten und Voyeurismen. Bella Angora
thematisiert damit den zunehmenden Hang zum Imaginativen und Affektiven
in unserer Medienkultur.
Als Künstlerin betreibt Bella Angora
Analysen gegenüber unserer auf Effektivität ausgerichteten
Gesellschaftsstrukturen, sowie gegenüber den psychischen Konsequenzen
unserer realen und virtuellen Getriebenheit durch Zeit und Raum. Die
Performance gestaltet sich zu einer Art verkörperten Diskurs, durch den
das Private für eine Verwandlung als (Gegen-)Öffentlichkeit verfügbar
gemacht wird. Wie es die Autorin Marlene Streeruwitz unlängst pointiert
formulierte, bedeutet Freiheit vor allem harte Arbeit.
Eine
Ästhetik minimalistischer Installationskonzepte dringt in die
reduzierte Gestaltung des Settings im puristischen Weiß, eine Schaukel
und zwei Sofas bilden das Interieur. Bella Angora reaktiviert hier eine
Art von Salonkultur, eingesponnen in Projektionen, die unter anderem
diverse Glücksverheißungen stimulierende Bilder von Küssenden aus der
Medien- und Werbebranche oder Aufnahmen von dem Himmel entgegen
schaukelnden Kindern zeigen. Das Rampenlicht in dem Bella Angora auf
der Schaukel zwischen „Vergangenheit“ und „Zukunft“ hin und her
schwingt, bildet psychedelische Lichteffekte einer auf- oder
untergehende Sonne. Die gegen die Wand projizierten Bildmedien schaffen
als Bühnenbild eine „Mise en scènce“ Situation, die wiederum in der
Performance durch konkrete Gesten von Bella Angora durchbrochen wird.
In die Choreographie der Performance „soft, slow & sweaty“
von Bella Angora fließen auch Backstage-Szenen ein, die demaskierte
Künstlerin rezitiert das Skript und gerät in einen Redefluss, der sich
zu einem Stimmengewirr auftürmt.
In der performativen Praxis von
Bella Angora sind visuelle, auditive und räumliche Parameter eng
aufeinander bezogen. Mit elektronischer Populärmusik als Hort
emotionaler Befindlichkeiten und Freiheitsversprechen tritt Bella
Angora in einen intellektuellen Schlagabtausch. Die Lyrik ihrer Songs
transportiert keine leichte Prosa, sondern läuft in der Wortwahl immer
auf eine existentielle Pointe zu.
Gegenüber dem Ephemeren der
Performance entwickelt Bella Angora durch ihre Songs eine Konstante,
bezieht in ihre Kompositionen unterschiedliche Musikgenres von Pop,
Funk über Gothik bis Electro Clash und experimentiert mit
Schlagermelodien: „Träume, Wünsche und Visionen mutieren ungefragt zu
Illusionen“. Gegenüber einer melodiösen Behaglichkeit des Sounds werden
in den Texten scharfe, riskante Konturen mit politischem Savoir Vivre
gezeichnet.
In ihren Performances präzisiert Bella Angora wie
Emotion und Gefühl durch spezielle Techniken produziert werden. Nicht
nur inhaltlich, sondern durch ihren Umgang mit verschiedenen Medien.
Dissidentes Denken, Querverweise auf theoretische Quellen, die
Verknüpfung mit Liedern, die legendäre Songs der sexuellen
Befreiung wie „J’taime“ von Serge Gainsbourg/Jane Birkin mit
lyrischen Texten zur Befreiung des Selbst vom Zwang der romantischen
Vorstellung von Zweisamkeit transformieren, bewirken eine enorme
Verdichtung. Vieles was an Bella Angoras Texten konzeptuell durchdacht
ist, verdankt sich ihrer überzeugenden Einverleibung von Details über
kulturelle Mechanismen unserer emotionalen Erfahrungen, die sie
dekonstruiert und rekapituliert.
In der
Wissenschaftszeitschrift „Psychology of Aesthetics, Creativity and the
Arts“ haben die US-Forscher C. Nathan DeWall, Richard Pond Jr., Keith
Campbell und Jean Twenge von der Universität Kentucky eine Studie
darüber veröffentlicht, wie sich die Texte von Popsongs zwischen 1980
und 2007 inhaltlich veränderten. Die Ergebnisse von „Tuning in to
psychological change: Linguistic markers of psychological traits and
emotions over time in popular U.S. song lyrics“ sind ernüchternd,
allerdings wenig überraschend. In den Texten gibt es jetzt zwar mehr
Wörter, doch fokussieren sich die Inhalte um das Ich und die eigenen
Gefühle, wohingegen soziales Verhalten aufgreifende Lyrics zunehmend in
den Hintergrund rückten. Die Forscher fassten zusammen: „Die Ergebnisse
zeigen, dass es notwendig wäre, sich näher mit der Frage zu
beschäftigen, inwiefern Kulturprodukte soziokultureller Umfelder dabei
helfen können, den kulturellen Wandel in psychologischen Prozessen zu
verstehen.“
Es gibt Künstler, die ganze Generationen
inspirieren und diese maßgeblichen Künstler sind nicht immer die in der
Welt der Museen und Messen am meisten vertretenen, erklärte Daniel
Birnbaum, nachdem er zum Kurator der Venedig Biennale 2009 berufen
wurde. Der Künstler oder die Künstlerin als Outsider, Hipster,
Spontangeist, Genealoge, Diskursintensivierer oder Diskursverweigerer?
Der Kunstbetrieb profitiert noch immer von dem Image selbst bestimmt
agierender Personen.
In ihren Projekten „stAR.T“ (2008) oder
„I refuse to battle“ (2008) hinterfragt Bella Angora kritisch, wie der
Künstler oder die Künstlerin Gefahr läuft selbst von der Populärkultur
dadurch, dass Erfolg und Wettkampf zählen, konsumiert zu werden.
Bella
Angora greift brisante Themen des Kunstbetriebs auf: Rivalität,
Powerplay, Konkurrenz, notorische Rankings,
Narzissmus, Egoismus.
„I refuse to battle“ kann laut
Bella Angora ebenso betrachtet werden als ein Statement gegenüber
Machtkämpfen, Kompromisslösungen, als ein Herausfiltern der eigenen
Essenz in der Konfrontation mit dem anderen: Angst zu versagen,
Leistungsdruck, Selbstüberschätzung, Existenzangst und damit in
Zusammenhang stehende Befindlichkeiten. Bella Angora führt so einen
politischen Diskurs über eindimensionale Zuschreibungen von Gefühlen
wie Neid, Gier, Hass, Liebe, Angst. Insofern gestaltet sich „I refuse
to battle“ als Konzept zu einem Selbstversuch, um Muster zu
durchbrechen, sich als Künstlerin gerade durch die radikale
Thematisierung des Wettbewerbgedankens zu positionieren.
Das
Projekt „stAR.T“ (2008) dekonstruiert in der Wahl der ästhetischen
Codes die Medienrealtiät von Casting-Shows. Gegenüber der
Attributierung von Star-Qualitäten, setzt Bella Angora absurde
Statements der beteiligten KanditatInnen, exzentrische Verhaltensweisen
und Lebensstile. In ihre Castingshow baut sie visuelle und akustische
Effekte oder Zwischeneinspielungen eines orgiastischen Wettstöhnens
ein. Im Voting tritt keine Jury an, sondern Bella Angora, die wie in
der Arena der Gladiatoren den Daumen nach unten drückt.
Damit
nahm Bella Angora in ihrer Performance vorweg, was 2009 bereits
Realität werden sollte, nämlich den Einzug von Casting Shows in den
Kunstbetrieb. Gleichzeitig existiert gerade im Betriebssystem Kunst die
Gefahr zur Tabuisierung jeglicher Wertung. Alles das was künstlerisch
oder argumentativ als Differenz, Widerspruch, Konflikt oder Scheitern,
also irgendwie negativ wirken könnte, läuft Gefahr harmonisiert,
nivelliert, ignoriert oder gar diskriminiert zu werden.
Der
britische Sammler und Künsthändler Charles Saatchi wollte mit einer
TV-Show nach dem Modell von Casting Shows den neuen britischen
Superkünstler entdecken. Die Talentshow lief im Herbst 2009 im
Fernsehsender BBC 2 l. Unter dem Slogan „Scaatchi’s Best of British“
konnten sich KünstlerInnen ab 18 Jahre beteiligen. Die sechs besten
sollten in der Endrunde in einen Intensivkunst-Crashkurs treten. Als
Gewinn lockte die Teilnahme an einer Saatchi-Ausstellung in St.
Petersburg. Gegenüber den britischen Medien argumentierte Saatchi:
„Jede(r) mit einem neuen kreativen Ansatz soll teilnehmen. Denn niemand
kann wissen, wo der nächste Kunststar auftaucht“. Die Argumentation des
Produzenten Peter Date hingegen lief darauf hinaus, dass man so
zeitgenössische Kunst fordern und einen Blick hinter die Kulissen wagen
wollte. Das von den Medien erstellte Profil von Saatchi als
Förderer und Spürnase wird von der Kunstkritik als zu kommerziell
ausgerichtet kritisiert. In den Feuilletons heiß angekündigt, wurde
über den Verlauf nicht weiter detailliert berichtet. Auch den
Absurditätsfaktor einer solchen Castingshow hat Bella Angora bereits
vorweggenommen.
In die Performances von Bella Angora fließt
das Begehren ein, relevante Fragestellungen zur eigenen Haltung
gegenüber dem Kunstsystem und dem Lebensstil zu artikulieren. Autonomie
und alternative Handlungsmodelle, künstlerische Haltungen wie
„Skepsis“, „Produktionsverzögerung“ oder „Scheitern“ werden zu Themen.
Komplexe und widerständige Praktiken koppelt Bella Angora an eine
Kunstpraxis, der eine Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit zugesprochen
werden kann, die mit dem Versprechen von Authentizität einhergehen.
Paradoxerweise
ist es gerade auch dieses Authentizitätsmoment, dass im Zentrum eines
Marktbegehrens steht. Das Kunstsystem verlangt mittlerweile nach
alternativen Produktionsmodellen. Den Entzug und Rückzug von Regeln,
die das Betriebssystem Kunst vorgibt hat Susan Sontag in „The
Aesthetics of Silence, Styles of Radical Will“ (2002) als Folge
eines radikalen Willens thematisiert.
Bella Angoras
performative, multimediale Projekte „soft, slow & sweaty“ (2010)
„stAR.T-performance.art.star.casting.show“(2008) oder „I refuse to
battle“ (2008) führen unterschiedliche Aspekte ihres künstlerischen
Oeuvres zusammen: Das Arbeiten in Video, Performance, Zeichnung,
Objekt, Text, Sprache, Musik, Sound und Gesang.
Als
Protagonistin von Performance-Strategien, deren Ausgangspunkt
einerseits die eigene Textproduktion und andererseits offene
performative Modelle bilden, durchbricht Bella Angora die Totalität
eines ästhetischen Werks. In ihren Performances und Settings geht Bella
Angora virulenten Themen in der Soziologie des Kunstfeldes und dessen
Wettbewerbsstrukturen nach, erarbeitet Konzepte über künstlerische
Praktiken, Arbeitsmethoden und stellt Überlegungen zu Identität und
Autorschaft an und wie diese in das performative Agieren als Künstlerin
einfließen.
In der Setzung ihres künstlerischen Alter Egos
Bella Angora stellt sie dem „idealen Körper“ und der charismatischen
Aura künstlerischer Existenz den „subversiven Körper“ des performativen
Akts gegenüber.
In der Wahl der absurden Begriffskombination
Bella Angora als Pseudonym greift sie mit politischer Ironie den nach
wie vor im Kunstfeld kursierenden Schönheitsbegriff auf. Selbst die
Ikone feministischer Kunst Louise Bourgeois bemerkte einst sarkastisch,
dass es für eine Künstlerin von Vorteil ist, schön zu sein, um die
Coverseiten der Kunstmagazine zu zieren.
Der gesungene, wie
gesprochene Text spielt in den Performances von Bella Angora eine
wichtige Rolle. Bella Angora ist selbst die Autorin der Texte für deren
performative Übersetzung sie verschiedene Methoden der Inszenierung und
Aufführung durch den Sprechakt, der Gesangsperformance, Einspielungen
von Aufnahmen mit Soundeffekten oder Computerscreens mit Textpassagen
anwendet. Unterschieden werden können dabei Texttypen wie Skripts,
Instruktionen, Fragestellungen gegenüber den MitakteurInnen und
Songtexte. Das Schreiben ihrer Texte verbindet Bella Angora
einerseits direkt mit ihren künstlerischen Performances, andererseits
funktionieren die Texte und Soundkompositionen ihrer Songs autonom.
Kritische Regungen gegenüber Geschlechterkonstruktionen im
Kunstbetrieb, genderpolitisches Aufbegehren und die Hinterfragung
hoch in Konjunktur stehender Liebes- und Beziehungskompetenzen werden
in lyrischen Songtexten reflektiert. In der Performance als
ästhetisches Prinzip entwickelt der Gesang wiederum eine eigene Logik
durch seinen Rhythmus als musikalischer Text. Den performativen Akt
setzt Bella Angora als emanzipatorische Handlung, als feministische
Position zur Geschlechterpolitik, als Widerstand gegen die von Medien
der Populärkultur und Werbung produzierten gesellschaftlichen
Normvorstellungen.
Das Engagement beschränkt sich allerdings
nicht nur auf den Akt der Performance. Wie die
Performance-Theoretikerin Barbara Clausen in ihrer Publikation „After
the Act. Die (Re)Präsentation der Performancekunst“ (2006) ausführt,
funktioniert Performancekunst nicht als authentisches Erleben, sondern
besteht im fortlaufenden Prozess durch ein Wechselverhältnis zwischen
Ereignis, Medialisierung und Rezeption. In dem Video zu „soft, slow
& sweaty“ (2010) ist zu sehen wie Bella Angora die Methode von
geskripteten Performanceabläufen hier nochmals auf der Metaebene des
Subtextes aufgreift. In der Übertragung auf das Videoformat wiederum
kommt es zu einem Akt des Transkribierens eines Live-Events, der durch
die zusätzliche Montage von Bildmaterial, Überblendungen und
experimentelle Schnitttechniken nun als Artefakt funktioniert und sich
dadurch von einer Dokumentation unterscheidet. Die Performancekunst
erfährt hier jene zuvor angesprochene Medialisierung.
Als
mixed-media Performance basiert „soft slow and sweaty“ auf der
Erzählstruktur von Märchen. Das Märchen und dessen archetypischen
HeldInnen als Synonyme für die Moral oder Amoral kultureller
Übertragungen werden von Bella Angora einer Dekonstruktion unterzogen.
Der Kunst wird durch die populäre Kultur der Rang abgelaufen, Mythen zu
schöpfen. Bella Angora hingegen performt als weiße Prinzessin im
Ballerinalook, deren weiße Visage durch eine Maske bedeckt ist. Die
performative Darstellungsform der Maskerade wählt sie, um Szenarien im
Kampf um eine selbstbestimmte Existenz im Hier und Jetzt auf einer
fiktionalisierten, bildlichen Ebene als psychische Konflikte durch eine
entsprechende Dramaturgie zur Darstellung zu bringen.
Zu
Beginn ist das Ziffernblatt des Londoner Big Ben eingeblendet, das
Ticken der Uhr und das Läuten des Weckers konfrontiert uns damit, die
Zeit läuft, nicht bloß die der Performance, sondern die Lebenszeit.
Bella Angora schreckt aus dem Schlaf hoch und wird von zwei Lakaien in
weißen Perücken angekleidet, die Rückansicht des einen zeigt ein P als
Symbol für „past“, der andere trägt ein F für „future“ - sie verkörpern
Vergangenheit und Zukunft.
Dazu eingespielt werden
Soundeffekte mit Textphrasen wie „neither in the past, nor in the
future“ oder „Let me be, let me be in the moment“ und zeugen von einer
poetischen Logik. In der performativen Installation von „soft, slow and
sweaty (once upon a time)“ (2010) wird durch das Einziehen einer Wand
klar die Grenze des Territoriums zwischen Publikum und Performance
markiert. Der Live-Akt ist durch Gucklöcher für das Publikum zugänglich
und spielt mit visuellen Effekten und Voyeurismen. Bella Angora
thematisiert damit den zunehmenden Hang zum Imaginativen und Affektiven
in unserer Medienkultur.
Als Künstlerin betreibt Bella Angora
Analysen gegenüber unserer auf Effektivität ausgerichteten
Gesellschaftsstrukturen, sowie gegenüber den psychischen Konsequenzen
unserer realen und virtuellen Getriebenheit durch Zeit und Raum. Die
Performance gestaltet sich zu einer Art verkörperten Diskurs, durch den
das Private für eine Verwandlung als (Gegen-)Öffentlichkeit verfügbar
gemacht wird. Wie es die Autorin Marlene Streeruwitz unlängst pointiert
formulierte, bedeutet Freiheit vor allem harte Arbeit.
Eine
Ästhetik minimalistischer Installationskonzepte dringt in die
reduzierte Gestaltung des Settings im puristischen Weiß, eine Schaukel
und zwei Sofas bilden das Interieur. Bella Angora reaktiviert hier eine
Art von Salonkultur, eingesponnen in Projektionen, die unter anderem
diverse Glücksverheißungen stimulierende Bilder von Küssenden aus der
Medien- und Werbebranche oder Aufnahmen von dem Himmel entgegen
schaukelnden Kindern zeigen. Das Rampenlicht in dem Bella Angora auf
der Schaukel zwischen „Vergangenheit“ und „Zukunft“ hin und her
schwingt, bildet psychedelische Lichteffekte einer auf- oder
untergehende Sonne. Die gegen die Wand projizierten Bildmedien schaffen
als Bühnenbild eine „Mise en scènce“ Situation, die wiederum in der
Performance durch konkrete Gesten von Bella Angora durchbrochen wird.
In die Choreographie der Performance „soft, slow & sweaty“
von Bella Angora fließen auch Backstage-Szenen ein, die demaskierte
Künstlerin rezitiert das Skript und gerät in einen Redefluss, der sich
zu einem Stimmengewirr auftürmt.
In der performativen Praxis von
Bella Angora sind visuelle, auditive und räumliche Parameter eng
aufeinander bezogen. Mit elektronischer Populärmusik als Hort
emotionaler Befindlichkeiten und Freiheitsversprechen tritt Bella
Angora in einen intellektuellen Schlagabtausch. Die Lyrik ihrer Songs
transportiert keine leichte Prosa, sondern läuft in der Wortwahl immer
auf eine existentielle Pointe zu.
Gegenüber dem Ephemeren der
Performance entwickelt Bella Angora durch ihre Songs eine Konstante,
bezieht in ihre Kompositionen unterschiedliche Musikgenres von Pop,
Funk über Gothik bis Electro Clash und experimentiert mit
Schlagermelodien: „Träume, Wünsche und Visionen mutieren ungefragt zu
Illusionen“. Gegenüber einer melodiösen Behaglichkeit des Sounds werden
in den Texten scharfe, riskante Konturen mit politischem Savoir Vivre
gezeichnet.
In ihren Performances präzisiert Bella Angora wie
Emotion und Gefühl durch spezielle Techniken produziert werden. Nicht
nur inhaltlich, sondern durch ihren Umgang mit verschiedenen Medien.
Dissidentes Denken, Querverweise auf theoretische Quellen, die
Verknüpfung mit Liedern, die legendäre Songs der sexuellen
Befreiung wie „J’taime“ von Serge Gainsbourg/Jane Birkin mit
lyrischen Texten zur Befreiung des Selbst vom Zwang der romantischen
Vorstellung von Zweisamkeit transformieren, bewirken eine enorme
Verdichtung. Vieles was an Bella Angoras Texten konzeptuell durchdacht
ist, verdankt sich ihrer überzeugenden Einverleibung von Details über
kulturelle Mechanismen unserer emotionalen Erfahrungen, die sie
dekonstruiert und rekapituliert.
In der
Wissenschaftszeitschrift „Psychology of Aesthetics, Creativity and the
Arts“ haben die US-Forscher C. Nathan DeWall, Richard Pond Jr., Keith
Campbell und Jean Twenge von der Universität Kentucky eine Studie
darüber veröffentlicht, wie sich die Texte von Popsongs zwischen 1980
und 2007 inhaltlich veränderten. Die Ergebnisse von „Tuning in to
psychological change: Linguistic markers of psychological traits and
emotions over time in popular U.S. song lyrics“ sind ernüchternd,
allerdings wenig überraschend. In den Texten gibt es jetzt zwar mehr
Wörter, doch fokussieren sich die Inhalte um das Ich und die eigenen
Gefühle, wohingegen soziales Verhalten aufgreifende Lyrics zunehmend in
den Hintergrund rückten. Die Forscher fassten zusammen: „Die Ergebnisse
zeigen, dass es notwendig wäre, sich näher mit der Frage zu
beschäftigen, inwiefern Kulturprodukte soziokultureller Umfelder dabei
helfen können, den kulturellen Wandel in psychologischen Prozessen zu
verstehen.“
Es gibt Künstler, die ganze Generationen
inspirieren und diese maßgeblichen Künstler sind nicht immer die in der
Welt der Museen und Messen am meisten vertretenen, erklärte Daniel
Birnbaum, nachdem er zum Kurator der Venedig Biennale 2009 berufen
wurde. Der Künstler oder die Künstlerin als Outsider, Hipster,
Spontangeist, Genealoge, Diskursintensivierer oder Diskursverweigerer?
Der Kunstbetrieb profitiert noch immer von dem Image selbst bestimmt
agierender Personen.
In ihren Projekten „stAR.T“ (2008) oder
„I refuse to battle“ (2008) hinterfragt Bella Angora kritisch, wie der
Künstler oder die Künstlerin Gefahr läuft selbst von der Populärkultur
dadurch, dass Erfolg und Wettkampf zählen, konsumiert zu werden.
Bella
Angora greift brisante Themen des Kunstbetriebs auf: Rivalität,
Powerplay, Konkurrenz, notorische Rankings,
Narzissmus, Egoismus.
„I refuse to battle“ kann laut
Bella Angora ebenso betrachtet werden als ein Statement gegenüber
Machtkämpfen, Kompromisslösungen, als ein Herausfiltern der eigenen
Essenz in der Konfrontation mit dem anderen: Angst zu versagen,
Leistungsdruck, Selbstüberschätzung, Existenzangst und damit in
Zusammenhang stehende Befindlichkeiten. Bella Angora führt so einen
politischen Diskurs über eindimensionale Zuschreibungen von Gefühlen
wie Neid, Gier, Hass, Liebe, Angst. Insofern gestaltet sich „I refuse
to battle“ als Konzept zu einem Selbstversuch, um Muster zu
durchbrechen, sich als Künstlerin gerade durch die radikale
Thematisierung des Wettbewerbgedankens zu positionieren.
Das
Projekt „stAR.T“ (2008) dekonstruiert in der Wahl der ästhetischen
Codes die Medienrealtiät von Casting-Shows. Gegenüber der
Attributierung von Star-Qualitäten, setzt Bella Angora absurde
Statements der beteiligten KanditatInnen, exzentrische Verhaltensweisen
und Lebensstile. In ihre Castingshow baut sie visuelle und akustische
Effekte oder Zwischeneinspielungen eines orgiastischen Wettstöhnens
ein. Im Voting tritt keine Jury an, sondern Bella Angora, die wie in
der Arena der Gladiatoren den Daumen nach unten drückt.
Damit
nahm Bella Angora in ihrer Performance vorweg, was 2009 bereits
Realität werden sollte, nämlich den Einzug von Casting Shows in den
Kunstbetrieb. Gleichzeitig existiert gerade im Betriebssystem Kunst die
Gefahr zur Tabuisierung jeglicher Wertung. Alles das was künstlerisch
oder argumentativ als Differenz, Widerspruch, Konflikt oder Scheitern,
also irgendwie negativ wirken könnte, läuft Gefahr harmonisiert,
nivelliert, ignoriert oder gar diskriminiert zu werden.
Der
britische Sammler und Künsthändler Charles Saatchi wollte mit einer
TV-Show nach dem Modell von Casting Shows den neuen britischen
Superkünstler entdecken. Die Talentshow lief im Herbst 2009 im
Fernsehsender BBC 2 l. Unter dem Slogan „Scaatchi’s Best of British“
konnten sich KünstlerInnen ab 18 Jahre beteiligen. Die sechs besten
sollten in der Endrunde in einen Intensivkunst-Crashkurs treten. Als
Gewinn lockte die Teilnahme an einer Saatchi-Ausstellung in St.
Petersburg. Gegenüber den britischen Medien argumentierte Saatchi:
„Jede(r) mit einem neuen kreativen Ansatz soll teilnehmen. Denn niemand
kann wissen, wo der nächste Kunststar auftaucht“. Die Argumentation des
Produzenten Peter Date hingegen lief darauf hinaus, dass man so
zeitgenössische Kunst fordern und einen Blick hinter die Kulissen wagen
wollte. Das von den Medien erstellte Profil von Saatchi als
Förderer und Spürnase wird von der Kunstkritik als zu kommerziell
ausgerichtet kritisiert. In den Feuilletons heiß angekündigt, wurde
über den Verlauf nicht weiter detailliert berichtet. Auch den
Absurditätsfaktor einer solchen Castingshow hat Bella Angora bereits
vorweggenommen.
In die Performances von Bella Angora fließt
das Begehren ein, relevante Fragestellungen zur eigenen Haltung
gegenüber dem Kunstsystem und dem Lebensstil zu artikulieren. Autonomie
und alternative Handlungsmodelle, künstlerische Haltungen wie
„Skepsis“, „Produktionsverzögerung“ oder „Scheitern“ werden zu Themen.
Komplexe und widerständige Praktiken koppelt Bella Angora an eine
Kunstpraxis, der eine Unbestechlichkeit und Unabhängigkeit zugesprochen
werden kann, die mit dem Versprechen von Authentizität einhergehen.
Paradoxerweise
ist es gerade auch dieses Authentizitätsmoment, dass im Zentrum eines
Marktbegehrens steht. Das Kunstsystem verlangt mittlerweile nach
alternativen Produktionsmodellen. Den Entzug und Rückzug von Regeln,
die das Betriebssystem Kunst vorgibt hat Susan Sontag in „The
Aesthetics of Silence, Styles of Radical Will“ (2002) als Folge
eines radikalen Willens thematisiert.
english version:
In
the performative, mixed media projects „soft, slow & sweaty“
(2010), „stAR.T (2008) or „I refuse to battle“ (2008), Bella Angora
combines several aspects of her artistic oeuvres: video works,
performance, drawings, objects, text, language, music, sound and
singing.
As Bella Angora is a protagonist of performative
strategies, whose origin is the creation of her own text material as
well as open performative models, she is breaking the totality of an
aesthetical work. In her performances and settings Bella Angora focuses
on virulent subjects within the sociology of an art world and its
competitive structures. She compiles concepts about artistic practices,
working methods and makes observations regarding identity and
authorship and how this can influence the artist’s acting.
Bella
Angora contrasts the „ideal body“ and the charismatic aura of the
artistic existence with the „subversive body“ of the performative act
by inventing an alter ego. Using the absurd combination of the terms
„Bella Angora“ as a pseudonym with political irony, she picks up on a
concept of beauty that is still present within the field of art. Even
the icon of feminist art Louise Bourgeois once sarcastically mentioned
that it is advantageous for a female artist to be pretty when adorning
the cover pages of art magazines.
The sung and spoken text
plays an important role in Bella Angora’s performances. Bella Angora
herself is the author, and for the performative transmission of the
texts she is using different staging methods like the speech act, the
singing performance, the use of recordings mixed with effects or
computer screens displaying text passages. Different types of text-like
scripts, instructions, questions to other actors involved and song
lyrics can be distinguished. On the one hand the written lyrics of
Bella Angora are a direct part of her art performances, on the other
hand the texts and sound compositions function autonomously within the
frame of her songs. In her lyrics she reflects critical movements in
relation to gender constructions in the art scene, gender political
rebellion and the issue of love and relationship competences that are
highly subjunctive. In the performance – as an aesthetic principle –
logic of its own arises with the singing, due to the rhythm of a
musical text. For Bella Angora, the performative act is an emancipating
action, a feminist position regarding gender politics, a resistance
against standardized conceptions that the media industry is
transmitting in popular culture and commercials.
But the
engagement transgresses the purely performative act. As the performance
theorist Barbara Clausen mentions in her publication „After the Act.
The (Re)Presentation of Performance Art“ (2006), performance art is not
only an authentic experience, but is furthermore turning into an
ongoing process through the correlations between event, mediatisation
and reception. The video „soft, slow & sweaty“ (2010) shows how
Bella Angora revives the method of scripted performance procedures on
the meta-level of subtext. When transferring into a video format, a
kind of transcription of the live event is taking place. Through added
footage, cross-fades and experimental cutting techniques, the video
functions here as an artefact in itself and therefore differs from a
documentation. In this case the performance art is mediatised like
mentioned previously.
The mixed media performance „soft, slow
& sweaty“ is based on the narrative structure of fairytales. The
fairytale and its archetypal heroines/heroes represent the moral or
amoral social phenomena, which gets deconstructed by Bella Angora.
Regarding the playing on myths, popular culture is more and more
overtaking art. But Bella Angora stages herself as a white princess in
a ballerina outfit with a white painted face covered with a mask. She
is using this displayed masquerade to express certain scenarios that
appear, when fighting for a self-determined existence in the here and
now, on a fictional and visual level, which shows the related
psychological conflicts by using a corresponding dramaturgy.
At
the beginning the dial of Big Ben in London is shown. The ticking and
the ringing of the bell confronts us with the fact that time is running
– not only in the performance, but also in regard to our lifetime. The
alarm clock triggers Bella Angora´s rude awakening, then two flunkies
dress her. The rear view of them shows a P for „past“ and an F for
„future“ as they are symbolizing these two aggregates of time. Parallel
to this, text phrases - distorted by sound effects - get played and
sentences like „neither in the past, nor in the future“ or „let me be,
let me be in the moment“ are a significant indicator for a poetic
logic.
In the performative installation of „soft, slow &
sweaty“ (2010) a built-up wall marks the territorial borders between
audience and performance. The live act can be watched by gazing through
peepholes, therefore playing with visual effects and voyeurism. In this
sense Bella Angora addresses the increasing trend to the imaginative
and the affective within our media culture.
In her work Bella
Angora analyzes social structures that mostly focus on effectivity, as
well as psychological consequences of our real and virtual driveness
through time and space. The performance becomes a kind of embodied
discourse that enables a transformation of the private into something
(contra) public. Freedom means mainly to work hard, as the author
Marlene Streeruwitz recently expressed plainly.
A minimalistic
installation concept characterizes the aesthetic of the reduced
formatted setting in purist white. The interior is a swing, a couch and
a bed. Bella Angora is reactivating some kind of „salon culture“,
embedded in projections that are meant to stimulate diverse promises
for happiness by showing pictures of kissing couples or video sequences
of children who seem to swing into heaven.
The spotlight in
which Bella Angora is swinging on the swing between „past“ and „future“
is creating psychedelic light effects of a rising or setting sun. The
visual media that are projected against the wall create a stage design
in the manner of a „mise en scène“ situation, which Bella Angora breaks
in the performance with corresponding behaviour.
The
choreography of the performance „soft, slow & sweaty“ includes also
backstage scenes, where the unmasked artist is reciting the script that
finally ends up in a flow of words and mutates into a chaotic voice
sculpture.
In Bella Angora’s performative practice, visual,
additive and spatial parameters are closely related to each other. With
electronic pop music - as a shelter for emotional sensitivities and
promises for freedom - Bella Angora starts an intellectual volley of
punches. It is not banal prose that gets transmitted through the song
lyrics, the wording always ends in some existential pointe. In relation
to the ephemeral quality of performance, Bella Angora’s songs develop a
constant line, using different music styles like pop, funk, gothic or
electro clash in her compositions and experimenting with hit melodies:
„Dreams, wishes and visions mutate into illusions without asking“.
In
contrast to the melodic cosiness of the sounds in the lyrics, sharp and
risky contours with a good portion of political “savoir vivre” are
drawn. In her performances Bella Angora refines how emotion and feeling
can be triggered through practice specific techniques – thus concerning
the contents as well as the way she handles different medias.
A
dissident way of thinking, cross-references to theoretical sources and
the way she is linking songs like „Je t’aime“ (Serge Gainsbourg/Jane
Birkin) – the legendary song about sexual liberation - with lyrics and
text material about self-liberation in relation to the romantic idea of
togetherness - has an enormous compressing effect.
The
conceptual conclusions in Bella Angora’s texts are mainly results of
her intense way to incorporate details about cultural mechanisms
concerning emotional experiences that get deconstructed and
recapitulated by the artist. The U.S. researchers C. Nathan DeWall,
Richard Pond Jr., Keith Campell and Jean Twenge from Kentucky
University published in the science magazine „Psychology of Aesthetics,
Creativity and the Arts“ a study about the way, how lyrics in pop songs
changed between 1980 and 2007. The results of „Tuning in to
psychological change: Linguistic markers of psychological traits and
emotions over time in popular U.S. song lyrics“ are quite sobering, but
actually not really surprising. Nowadays more words have been used in
texts, but the focus lies mostly on the self and one’s own feelings.
Whereas lyrics that thematise social behaviour has been fading more
into the background.
The scientists summarized: „The results show
that it would be useful to focus more on the question, how cultural
products of socio-cultural surroundings can provide a better
understanding of cultural changing´s in psychological processes.“
After
becoming the curator of the Venice Biennial in 2009, Daniel Birnbaum
explained that some artists are an inspiration for whole generations,
but many times these are not the artists that can be found in the world
of museums and in art fairs.
The artist: an outsider, hipster,
impulsive character, genealogist, someone who is intensifying or
refusing discourses? The art world still benefits from the image of
self-determined people. In her projects „stAR.T (2008) or „I refuse to
battle“ (2008) Bella Angora questions critically how artists are facing
the risk to be consumed by popular culture due to the fact that success
and competition are rated highly.
Bella Angora picks up
provocative topics of the art market: rivalry, power games,
competition, notorious rankings, narcissism and egoism. Bella Angora
explains that „I refuse to battle“ can be perceived as a statement
regarding power games and compromise. It ‘s about filtering out one’s
own essence when being confronted with others, about the fear of
failure, pressure, self-overestimation, existential fear and different
sensitivities that come along with all this. Bella Angora opens up a
political discourse about the one-dimensional classification of
feelings like envy, greed, hate, love, and fear. In so far „I refuse to
battle“ as a conceptual statement is a self-experiment, because the
artist is positioning herself exactly through thematising the
competition in a radical manner. Her intention is to break her
self-related patterns.
In the project „stAR.T“ (2008) the
media reality of casting shows gets deconstructed. Absurd statements of
the competitors, eccentric manners and lifestyles meet the excessive
focusing on star quality attributes. Different visual and acoustic
effects or interim recordings of an orgiastic moaning are significant
elements in the casting show. There is no jury as Bella Angora herself
votes by using the classical thumb up/down gestures, which remind of an
arena with gladiators. With her show she had been ahead of something
that became reality in 2009: the entry of casting shows into the art
world. At the same time classifications are mostly taboo in the art
system. Everything that could be an artistic or argumentative
difference, contradiction, conflict or failure – ergo negatively
connoted – many times gets harmonized, levelled, ignored or even
discriminated.
The British collector and art dealer Charles
Saatchi wanted to find the next British super artist with his TV
casting show. BBC 2 I broadcasted the show in autumn 2009. Under the
slogan „Saatchi‘s Best of British“ artists over 18 years could apply.
The top-six-ranked should get an intense art crash course and the
winner should have the possibility to participate in a Saatchi
exhibition in St. Petersburg. Towards the British media Saatchi argued:
„Everyone with a new, creative approach is welcome to apply. Because
nobody knows where the next art star will arise.“ The argumentation of
the producer Peter Date was that a show like this is meant to challenge
contemporary art and to take a peek behind the scenes. But the profile
of Saatchi as a promoter with a good nose – made up by the media – was
criticized from art critics for being too commercial orientated. After
the first announcements in the Feuilletons, no more detailed
information was published.
Also in relation to the absurdity
of such a casting show Bella Angora had been ahead with her concept. In
Bella Angora’s performances it is highly important to ask relevant
questions regarding one’s own behaviour within the art world and its
lifestyle. Autonomy and alternative models for action, artistic
attitudes like „scepticism“, „delays“ or „failure“ are thematised.
Bella Angora is oscillating between complex and resistant attitudes and
an art practice that certainly contains characteristics like
incorruptness and independence.
Paradoxically it is also
exactly this certain authenticity that seems to be of high value within
the market. The art system is meanwhile asking for alternative
production models. The refusal and the retreat of rules that come along
with this system has been thematised by Susan Sontag in „The Aesthetics
of Silence, Styles of Radical Will“ (2002) as a result of a radical
will.